15 Jahre Dorfverein Dobberzin e.V.

15 Jahre Dorfverein Dobberzin e.V.

Wolfgang Neudeck

Nach Dobberzin lockte uns 2002 der „Wohnungsbaustandort Dobberzin Nord“. Es gab beste Wohnbedingungen: einen schönen Bauplatz, viel Natur, ein See vor der Haustür, gute Verkehrsanbindung und die Nähe zu einer Stadt mit den notwendigen Einrichtungen. Ein Gemeinschaftsleben im Dorf ist uns damals nicht aufgefallen.

Dobberzin erhielt 2003 durch die Gemeindegebietsreform wieder den Status eines Dorfes, wurde Ortsteil von Angermünde und erlangte mit der Wahl des Ortsbeirates im Oktober eine eingeschränkte Eigenständigkeit.

Das Dorfleben war nach der Wende auf einem Tiefstand. Die neuen gesellschaftlichen Verhältnisse, die Sorgen um die Zukunft, insbesondere die Arbeitslosigkeit, waren Ursachen für das in sich Zurückziehen der Dobberziner. Doch es gab auch Mutmacher. Eine beherzte junge Frau hatte einen Wunsch: Im Dorf müsste wieder mal was los sein. Im Jahr 2003 kam es bei einer Heizölbestellung von drei jungen Familien zu einem folgenschweren Gespräch: „In Dobberzin ist nichts los. Man müsste mal wieder einen Frauentreff organisieren, so wie früher beim DFD“. Und damit war der Grundstein für den „Dobberziner Frauentreff“ gelegt. Noch vor Jahresende, am 23. Oktober 2003, kamen zum ersten Treff in den Versammlungsraum des „Sportvereins Grün-Weiß Dobberzin e.V.“ 30 Dobberzinerinnen zusammen. Jede stellte sich kurz vor und der Frauentreff war gegründet. Unter anderem entstand der Aufruf für einen Adventnachmittag am 30. November 2003 zum gemütlichen Beisammensein bei Kaffee, Kuchen, Bratwurst und natürlich dem Weihnachtsmann. Der Wunsch, dass im Dorf wieder etwas los ist, war bei vielen Alteingesessenen, Bungalowbewohnern und Zugezogenen Dobberziner sehr groß. Viele packten bei der Vorbereitung mit an und noch mehr Dobberziner kamen dann zum Adventnachmittag.

2003, Adventnachmittag auf dem Kirchvorplatz

Weihnachtsmann mit Kindern, die heute selbst Kinder haben

Diese Begeisterung hatte das Potential für ein neues Dorfleben.

Aber das Wirbeln der Frauen ging weiter. Sangesfreudige Dobberziner haben sich zusammengefunden und zum Weihnachtsfest 2003 erstmals alle Dobberziner in die Kirche zum gemeinsamen Weihnachtssingen eingeladen.

An dieser Stelle muss erwähnt werden, ein Dorfgemeinschaftshaus gab es nicht, die Gaststätte war geschlossen und der Versammlungsraum von Grün-Weiß lag außerhalb des Dorfes. Mutig wurde nach Rücksprache mit dem Gemeindekirchenrat die Kirche als Veranstaltungsort gewählt.

Unter dem Motto „Alles singt“ war diese Veranstaltung am 21. Dezember 2003 ein voller Erfolg und es entstanden aus sangesfreudigen Dobberzinern die „dobbi-singers“.

Die „dobbi-singers“ 2007 in einer ihrer stärksten Besetzung: v.l.n.r. Gabi Küster, Erna Belde, Corinna Kuhnert, Tamara Duckert, Wilfried Belde, Renate Holz, Christine Belde, Marina Gaudeck

Es war ein gelungenes Weihnachts- singen mit viel Beteiligung bei der Vorbereitung, Durchführung und beim Aufräumen. So was hatte Dobberzin noch nicht erlebt.

Und dann kam ein neuer Vorschlag für ein gemeinsames Dorferlebnis: Wir feiern 2004 Geburtstag, „750 Jahre Dobberzin“. Also Gründung eines Festkomitees. Viel Arbeit, viel Unterstützung durch den Sportverein und Bungalowverein, viele Probleme, besonders bei den Finanzen. Eine solide Arbeitsgrundlage ist erforderlich, also ein Dorfverein muss her.

Mit 50 Mitgliedern wurde am 16.03.2004 der „Dorfverein Dobberzin e.V.“ gegründet. Es wurde der Vorstand und die Revisionskommission gewählt und die Satzung angenommen. Vereinszweck ist die Pflege und Förderung des traditionellen Brauchtums im Heimatgebiet durch Organisation von Veranstaltungen, die ein attraktives Dorfleben ausmachen.

Die erste Bewährungsprobe für den Dorfverein war die Vorbereitung und Durchführung der 750-Jahrfeier. Damit begann ein wirkliches Zusammenwachsen und die Dobberziner zeigten wie ein Dorfleben aussieht und funktioniert. Mit dem ortsansässigen „Sportverein Grün-Weiß Dobberzin e.V.“, dem „Bungalowverein Mündesee e.V.“ und dem Ortsbeirat erfolgt eine kollegiale Zusammenarbeit. Aufbauend auf die Erfahrungen beim ersten Adventsingen, wird eine Vereinbarung mit der evangelischen Kirchengemeinde St. Annen Crussow über die Nutzung der Kirche für kulturelle Veranstaltungen des Dorfvereins abgeschlossen.

So wurde für die 750-Jahrfeier ein Festumzug mit 31 Bildern organisiert, Kostüme beschafft, Vereine von Nachbarorten einbezogen, als Ehrengast Frau Prof. Gesine Schwan eingeladen, eine Ausstellung in der Kirche zur Geschichte von Dobberzin erstellt, das gesamte Dorf geschmückt und vom 25. bis 27. Juni 2004 der Geburtstag mit einem anspruchsvollen Programm gefeiert.

Der Festumzug durchs Dorf wurde mit viel Liebe zum Detail gestaltet und dauerte über zwei Stunden

2010, Der Vorstand des Dorfvereins Dobberzin e.V. v.l.n.r. Ute Kuck, Günter Sattler, Marina Gaudeck, Karin Haberland, Wolfgang Neudeck, Klaus Kohlmay, Wilfried Belde    

Nach der erfolgreichen Bewältigung der Geburtstagsfeier kamen die Mühen der Ebene, die tägliche Kleinarbeit. Dafür erfolgten monatliche Vorstandssitzungen mit der Kontrolle des Protokolls der vergangenen Sitzung, die Vorbereitung der nächsten Ver- anstaltungen und die Bearbeitung sonstiger Probleme des Dorf- lebens. In Dobberzin soll weiter- hin etwas los sein, also müssen interessante Geselligkeiten und Projekte organisiert werden. Im jährlichen Arbeitsplan sind alle Veranstaltungen zeitlich auf- geführt. Es gibt einmal die jährlich wiederkehrenden Veranstaltungen wie:

  • Mitgliederversammlung mit Rechenschaftsbericht, Finanzbericht, Bericht der Revisionskommission, Entlastung des Vorstandes und Beratung zum Jahresarbeitsplan
  • Seit 2003 gemeinsames Adventsingen in der Kirche
  • Seit 2004 gemeinsames Frühlingssingen in der Kirche
  • Seit 2004 gemeinsames Herbstsingen in der Kirche bzw. ab 2015 „Klassik in Dorfkirchen“
  • Seit 2005 Halloweenveranstaltung

für alle kleinen und großen Dob- berziner Geister mit Kürbisschnitzen, Lagerfeuer, Stockwurstbraten und Umzug durchs Dorf

  • Seit 2006 Herrentagsparty am Zandereck mit Unterhaltung bei Blasmusik, Kaffee, Kuchen, Gegrilltem und diversen Getränken

  • Seit 2006 Skat- und Rommé-Turnier im Februar und November
  • Seit 2007 Kindertagfeier mit Spiel und Spaß
  • Seit 2007 Bootsregatta auf dem Mündesee am Dobber- ziner Badestrand mitsportlichem Treiben. Die Teilnahme an der abendlichen Lampion Fahrt wurde immer größer und erfolgt auf eigene Gefahr

  • Seit 2007 Bowlin in Meyenburg im Februar und im November
  • Seit 2007 vom Ortsbeirat und Dorfverein organisierte Seniorenweihnachtsfeier mit Kaffee, Kuchen und Kulturprogramm
  • Seit 2011 Drachenfest auf dem Kinderspielplatz

2014, Nach drei Jahren Flaute, endlich Wind   2015, Rege Teilnahme und stolze Drachenbesitzer

  • Seit 2012 Frühjahrsputz in Dobberzin auf dem Kinderspielplatz und dem Kirchvorplatz

  • Seit 2014 kann wöchentlich im Dorfgemeinschaftssaal Tischtennis gespielt werden
  • Seit 2015 Neujahrsfeuer

Bei allen Veranstaltungen wird für das leibliche Wohl gesorgt. Besonders begehrt ist der selbst gebackene Kuchen unserer fleißigen Dorffrauen.

Neben den immer wiederkehrenden Veranstaltungen wurden vom Dorfverein organisiert:

2006

Das Projekt „Neugestaltung des Kirchvorplatzes“ wird fertiggestellt.

Nach Veranstaltungen wird auf dem neu gestalteten Kirchvorplatz gemütlich beisammengesessen

  • Das verwitterte Kriegerdenkmal erhält von der Steinmetzfirma Martius als Spende eine neue Grabplatte mit den Namen der im 1.Weltkrieg gefallenen Dobberzinern.
  • Alle Dobberziner Haushalte erhalten eine Einladung für die Veranstaltungen im Dorf.

2007

  • Besichtigung der Polizeiwache Angermünde.

2008

  • Die Dobberziner Dorfchronik ist erarbeitet.
  • Vereinsmitglieder werden zu runden Geburtstagen ab 65 und zu runden Jubiläen mit einem kleinen Präsent bedacht.
  • Angermünder 775-Jahrfeier, Dobberzin beteiligt sich am Festumzug mit dem Bild „Dobberziner Schlittenfahrt“.

2008, Einladung an die Stadt Angermünde. Ein Schelm, der böses denkt.

2009

  •  Besichtigung des Reichstages in Berlin und Gespräch mit dem Angeordneten Herrn Köppen.

2010

  • Gründung des Fotozirkels Dobberzin.
  • Das Projekt „Besuchertoilette und Lagerraum in der Kirche Dobberzin“ wird fertiggestellt. Der ehemalige Platz der Aufbahrung wird für Sanitäreinrichtung und Lagerraum genutzt

  • Aben(d)teuerliche Ketzernacht und Rundgang mit dem Nachtwächter durch Angermünde
  • Bahnfahrt nach Berlin zur Brückenfahrt mit dem Dampfer.

2011

  • Fahrt ins Blaue mit 2 Kremsern durch Angermünde zum Mudrowsee.  

„…hab´ mei´ Wage´ voll gelade´…“ und ab durchs Städtchen in die schöne Natur vor unserer Haustür

  • Die Internetseite des Dorfvereins www.dobberzin.de wurde fertiggestellt, freigeschaltet und berichtet über die Arbeit des Dorfvereins und das Leben in Dobberzin.

  • Bahnfahrt nach Szczecin mit Stadtbesichtigung.

2013

  • Familie Büttner stellt die Räume der 2012 geschlossenen Gaststätte dem Dorfverein als Dorfgemeinschaftsräume zur Verfügung und die Stadt Angermünde beteiligt sich an den Kosten.
  • Das Projekt „Turmuhr-Stundenschlag-elektrisches Glockenläuten Dorfkirche Dobberzin“ wird abgeschlossen und feierlich in Betrieb genommen. Für alle Dobberziner sind die vier Uhren gut sichtbar. Stunden- und Halbstundenschlag von 7.00 bis 23.00 Uhr und Glocken- läuten um 12.00 Uhr, 18.00 Uhr und Silvester 24.00Uhr.                                   

  • Das Projekt „Urnengemeinschaftsgrab auf dem Dobberziner Friedhof“ wird fertiggestellt.

2014

  • Aufruf zum „Treffen junger Dobberziner Familien“ mit dem Ziel der besseren Einbeziehung ins Dorfleben
  • Satzungsänderung mit Erweiterung des Vereinszwecks: „Unterstützung der Kirche bei werterhaltenden Maßnahmen“
  • Als großes Dorffest am 12.und 13.September werden „10 Jahre Dorfverein Dobberzin e.V.“ gefeiert und das Projekt „Dobberziner Dorfstein“ übergeben und eingeweiht.

Samstag: Bilderschau über 10 Jahre Dorfverein und anschließend feierliche Enthüllung des Dobberziner Dorfsteins

Sonntag: Ein Knaller war die Modenschau und tolle Stimmung durch die „dobbisister & man“

2015

  • Im Rahmen des Projektes „Dobberzin 2.0 – Heimat modern gestalten“, des geförderten Bundesprogramms „Demokratie leben“, wurden zur besseren Einbeziehung der jungen Neu-Dobberziner in das Dorfleben ein Theaterstück mit Kindern erarbeitet, fünf Videos zu Dobberziner Lebensgeschichten gedreht,15 Geschichtstafeln erarbeitet und eine Fotoausstellung zum Dorffest 2014 erstellt.
  • Fahrt ins Blaue mit zwei Kremsern über Crussow zum Bauernsee
  • Das Projekt „Guss einer Glocke für die Dorfkirche Dobberzin“ wurde mit der Weihe im Dezember abgeschlossen. Die Glocke trägt die Schriftzüge „Friede auf Erden“ und „Dorfgemeinschaft Dobberzin 2015“.

Die neue Glocke mit Läutewerk. Damit ist der Glockenstuhl nach 98 Jahren wieder voll besetzt.

2018

Theaterspiel “Schneewittchen und die sieben Zwerge”. Die Königin und Schneewittchen. Das Märchen wurde etwas anders erzählt und ein Erfolg

  • Kremserfahrt zur Blumberger Mühle  
  • Das Projekt „Turmuhrbeleuchtung“ wurde realisiert.

Diese Auflistungen zeigen wie vielgestaltig und umfangreich vom Dorfverein für alle Dobberziner das Dorfleben gestaltet wurde und wird. Dobberzin hatte 2017 358 Einwohner, davon 49 Kinder bis einschließlich 14 Jahre, 93 Ein- wohner älter als 65 Jahre und 70 Einwohner älter als 70 Jahre. Beim gemeinsamen Singen in der Kirche konnten 50 bis 100 Teilnehmer gezählt werden, bei Ausfahrten 20 bis 40, bei Kinderveranstaltungen 10 bis 40, beim Kartenspielen 20 bis 40, beim Bowlen 20 bis 40, an der Herrentagsparty nehmen 200 bis 600 und an der Bootsregatta 100 bis 150 Dobberziner und Gäste teil. Der Dorfvereinsvorstand schätzt diese Beteiligung als gut ein, wünscht sich aber eine größere Teilnahme und Mitarbeit der jungen Dorfbewohner.

Für eine bessere Einbeziehung der jungen Neu-Dobberziner wurde, wie oben bereits angeführt, 2015 das Projekt „Dobberzin 2.0 – Heimat modern gestalten“ bearbeitet. Besondere Bedeutung dabei hatte das Theaterstück „Spuck in Dobberzin“, das unter Leitung eines Theaterfachmannes gemeinsam von 12 Laienschauspielern, davon 10 Kinder, erarbeitet, einstudiert und aufgeführt wurde. Der Dorfgemeinschaftssaal war dreimal mit fast 100 Besuchern bis zum letzten Platz gefüllt.

Mit Spannung wird die dritte Aufführung erwartet und perfekt von den Laienkünstlern gemeistert

Bei dieser Arbeit lernten sich die Kinder untereinander durch Wochenend- workshop mit Übernachtung und das Einstudieren der Rollen besser kennen und die jungen Eltern waren zwangsläufig mit eingebunden. Ein gleiches gutes Ergebnis brachten 2017 das Frühlingssingen mit einem Kinderchor, Erwachsenenchor und einer Instrumentalgruppe aus Dobberziner Akteuren

und 2018 das Theaterspiel „Schneewittchen und die sieben Zwerge“. Die Bemühungen zeigen erste Erfolge, sind aber noch nicht stabil. Es ist auch schwer Familie, Arbeit, Hausbau und eine Tätigkeit für die Gemeinschaft unter einen Hut zu bringen.

Der Dorfverein hat in den zurückliegenden 15 Jahren viel erreicht und das Dobberziner Dorfleben maßgeblich gestaltet. Aber der Vorstand ist in dieser Zeit auch in die Jahre gekommen und ein Generationswechsel mit neuen Ideen ist erforderlich. Ein Dorfleben ist nie fertig oder abgeschlossen. Es hilft kein Außenstehender, es bedarf immer Engagement von allen Einwohnern, ein bisschen mehr von den Mitgliedern des Dorfvereins und eine Extraportion Enthusiasmus vom Vereinsvorstand.

Es ist viel los in Dobberzin. Ich fühle mich wohl in dieser Gemeinschaft und lebe gern in diesem Dorf.

PS.:

Der Beitrag konnte aus Platzgründen im Heimatkalender 2019 leider nicht aufgenommen werden. Deshalb möchte ich noch bemerken, dass das Jubiläum, 15 Jahre Dorfverein, eine besondere Mitgliederversammlung wurde. Ein Höhepunkt war die Würdigung aktiver Dobberziner, Sponsoren und ehemaliger Vorstandsmitglieder mit dem „Dorfvereinskristall“. Besonders freut mich, dass 2019 zwei jungen Muttis für die Mitarbeit im Vereinsvorstand gewonnen werden konnten. Sie engagieren sich für die Kinderarbeit und es wurden die „Dobbi-Kids“, eine Art Kinderparlament, gebildet.