Bericht Glockensachverständiger

Helmut Kairies
Glockensachverständiger der EKBO
Untermarkt 22
02826 Görlitz
23.07.2011
Bericht über die Besichtigung der Glockenanlage der Kirche Dobberzin
Der Bericht basiert auf Kenntnissen über die Geschichte des Glockengeläutes sowie auf der Auswertung von Beobachtungen, Messungen und Festlegungen die beim Ortstermin am 13.07.2011 im Beisein von
Herr Klass, evangelische Kirchgemeinde Angermünde
Herr Mahnke, Kirchgemeinde Dobberzin
Herr Eickenjäger, Kirchgemeinde Dobberzin
Herr Sattler, Ortsbeirat Dobberzin
Herr Leonhadt, Dorfverein Dobberzin
Herr Neudeck, Dorfverein Dobberzin
Unterzeichner
realisiert bzw. getroffen worden sind.
1. Geschichte des Glockengeläutes
1.1. Verluste im 1. Weltkrieg durch Bronzeglockenbeschlagnahme 1917
Glocke    Gussjahr     Nominal     Gießer         Ø in ca. mm     Gewicht in ca. kg
1                1769                          J. H. Scheel     680
2                1867                           K. F. Voß
1.2. Vorhandene denkmalgeschützte Bronzeglocken
0                 1681                           L. Köckeritz
diese Glocke wurde 1885 umgegossen in die vorhandene Glocke
1                 1885          h’ +4 C.     Voß & Sohn     820                        344
2. Befund
2.1 Glockentragwerk
Die unter 1.2. aufgeführte Bronzeglocke 1 hängt im hölzernen Bockstrebenstuhl mit drei Feldern. Davon waren in den zwei Feldern Ost und West Glocken untergebracht. Die vorhandene Glocke hängt im östlichen Feld. Das mittlere Feld wurde nicht benutzt.
Feld                                                 O            W
lichte Weite zw. Holmen in mm     1000         880
Glocke                                             1              2
2.2. Glocke
Die vorhandene Glocke hängt an einem geraden hölzernen Joch und wird z. Z. mit Hand geläutet. Die Klöppelanschlagzahl von 66 unterschreitet den von der DIN 4178 angegebenen Wert, d. h., die Glocke wird schonend geläutet.
Das Holzjoch sollte saniert und mit Pendelkugellagern für einen elektrischen Betrieb umgerüstet werden. Dabei ist zu beachten, dass die lageraufnehmenden Balken nur minimal geschwächt werden.
Bei einer Sanierung sollte das Klöppelleder ausgewechselt werden, damit bei einem regelmäßigen elektrischen Betrieb der Klöppel an der richtigen Stelle des Schlagringes anschlägt. Vorerst sollte die nicht feste Klöppelaufhängung (Hinweis vor Ort gegeben!) aus Sicherheitsgründen festgezogen werden.
Der Abnutzungsgrad der Glocke liegt bei 3 % und ist damit im grünen Bereich, d. h., einer Elektrifizierung steht nichts im Wege.
3. Instandsetzung des Glockenstuhles
Der historische Glockenstuhl muss für die Elektrifizierung nicht instand gesetzt werden.
4. Sanierung des Glockengeläutes
4.1. Konzeption Glocken
Für die Planung der Sanierung des Geläutes ist von folgenden Glocken auszugehen, unabhängig davon, ob die jetzt fehlende 2. Glocke beschafft wird:
Glocke       Nominal     Unterer     Gewicht     Anschläge     Läutewinkel
Ø in mm     in kg         min-1             in °
1                  h’ +4         830             344           61                  62
2                  d” +6        696              211           65                  65
4.2. Konzeption Turmuhr
Bei der Planung für eine Turmuhr ist von 2 oder 4 Zifferblättern auszugehen. Sie werden über ein zentrales Motorzeigertreibwerk oder über einzelne, hinter den Zifferblättern sitzende Motorzeigertreibwerke angetrieben.
4.3. Kostenschätzung 2. Glocke
Herstellungskosten in Lauchhammer ohne Inschriften und Zier € 2480,-
Bronzepreis z. Z. € 10,61 € 2400,-
Summe netto € 4880,-
Summe brutto € 5807,20
5. Sonstiges
Die Vorgaben der Berufsgenossenschaft bzgl. Glockentürme sind einzuhalten.
Für die Vergabe wird nach Zusendung der an die Kirchengemeinde bzw. Herrn Neudeck eingegangenen Angebote vom Glockensachverständigen eine Vergabeempfehlung erarbeitet. Die Einhaltung und Ausführung der im Leistungsverzeichnis geforderten Arbeiten werden vom Glockensachverständigen bei der Schlussabnahme kontrolliert.
Für weiterführende Beratungen stehe ich gern zur Verfügung.
Helmut Kairies
Fon 03581 667901
Fax 035874 22513
mail hekai@gmx.de
Verteiler
Ev. KG Dobberzin – per Brief
Herr Neudeck – per Mail
Kirchliches Bauamt – per Mail

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