Kirche

Die Dorfkirche in Dobberzin

Kirche um 1910

Kirche 1958

Kirchplatz 1960

Kirchplatz heute

Die Dobberziner Dorfkirche ist ein frühgotischer rechteckiger Feldsteinbau aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Ungewöhnlich für ckermärkische Dorfkirchen aus dieser Zeit sind die sehr hohen Rundbogenfenster. Die in Feldstein eingearbeiteten Gewände lassen darauf schließen, dass sie aus der Erbauungszeit stammen. Ein interessantes Detail ist der so genannte „Rautenstein“ an der Süd-West-Ecke der Kirche, ein an mehreren Dorfkirchen zu ndendes Steinmetzzeichen. Die Oberäche dieses Ecksteins ist so bearbeitet worden, dass glatte und raue Flächen ein rautenartiges Muster ergeben. Historiker deuten solche künstlerisch bearbeiteten Steine auf Markenzeichen der Bauhütte hin. Wertvollstes Inventar der Kirche ist der mit aufwendigen Schnitzereien versehene wunderschöne Barockkanzelaltar, der im Jahre 1699 eingebaut wurde.

Älteste Innenaufnahme um 1920

Kirche innen heute

Naive gürliche Darstellungen zieren dieses älteste Ausstattungsstück mit dem Fragment einer Taufe aus dem 13. Jahrhundert. Es ist nicht ganz sicher, wer der Schöpfer dieser vorzüglichen Gestaltung des Kanzelaltars war. Vermutet wird u. a., dass Hattenkerel den barocken Kanzelaltar geschaffen hat. Bei dem Altar handelt es sich um eine Akanthusschnitzerei besonderer Art. An die Stelle des Hauptaltarbildes setzte der Künstler einen fünfseitigen Kanzelkorb. Auch die zur Kanzel führenden Treppen sind mit Akanthusmotiven verziert. Dem Künstler gelang dabei eine räumliche Darstellung des Blattschmuckes. Ins Auge fällt auch die Gestaltung der wunderschönen Engelsköpfen. Der Altar wurde nach Ende des 2. Weltkrieges leider weiß überstrichen und konnte aus nanziellen Gründen bis heute nicht wieder originalgetreu restauriert werden. Der in der Kirche über dem  Taufbecken schwebende Taufengel wird ebenfalls Hattenkerell zugeschrieben. Der romanische Taufsteinfuß enthält eine eingeritzte Jahreszahl, sowie die Darstellung von Lilien und Menschen im Wechsel. Er soll einmal aus dem
Friedhof ausgegraben worden sein. Vor langer Zeit war die Kirche außen teilweise verputzt. An den Seitenwänden sind noch Putzreste zu erkennen. Der heutige Dachstuhl des Kirchenschiffes stammt zum Teil aus der Aufbauzeit nach einem Großbrand im Jahr 1678. Der Westgiebel der Kirche trägt seit 1827 einen quadratischen, verbretterten Turmaufbau mit einem Pyramidendach. 1993 erfolgte eine Sanierung des Turmes mit einer neuen Biberschwanzdeckung. 1994 wurde das Dach des Kirchenschiffs erneuert. Dabei mussten große Teile des Dachtragwerks ersetzt werden. Für die Dachdeckung wurden ältere Biberschwänze von der Angermüder Klosterkirche verwendet. 1995 wurden die zwingend notwendigen Arbeiten zur Erhaltung des Kirchenbauwerkes beendet. Danach folgten die Innenarbeiten. Im Jahr 2000 konnte die Dobberziner Dorfkirche durch den Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche Deutschlands Wolfgang Huber feierlich wieder eröffnet werden. Neben nanziellen Mitteln aus der Denkmalpege hat der Eigenanteil der Kirchengemeinde und die unermüdlichen Initiativen von Kirchenmitgliedern und Dorfbewohnern wesentlich den Erhalt der Dorfkirche beeinußt. Leider konnte bisher die nur noch in einigen Teilen vorhandene Orgel aus dem Jahr 1865 nicht wieder aufgebaut werden.
Im Jahr 1885 erhielt die Dobberziner Dorfkirche zwei Bronzeglocken, gegossen von der Firma Voß und Sohn aus Stettin. Bereits 1917 musste eine Glocke für Kriegszecke wieder abgegeben werden. Die heute noch vorhandene zweite funktionsfähige Glocke trägt die Namen der Verantwortlichen aus der Zeit ihrer Einweihung, vom Patron von Buch bis zu den damaligen Mitgliedern des Gemeindekirchenrates. Die Geschichte der Dorfkirche von Dobberzin ist ein Spiegel für die Geschichte des Dorfes, dessen Mittelpunkt sie war und zumindest räumlich auch heute noch ist. Brände, Kriege und Naturgewalten haben der Kirche mehrmals großen Schaden zugefügt, aber die Menschen haben „ihre Kirche“ immer wieder aufgebaut und nutzen sie heute mit und ohne kirchlichem Glaubensbekenntnis für Gottesdienste und weltliche Veranstaltungen.